Das Regenbogenbaby: Schwangerschaft und Entbindung nach dem Verlust

Achtung:  In diesem Beitrag spreche ich ein sehr persönliches, emotionales und eventuell belastendes Thema an. Viele, denen das gleiche passiert ist wie mir, leiden möglicherweise an einer Depression oder Angstzuständen. Wenn du selbst vermutest depressiv zu sein, wende dich bitte an jemanden. Im Akutfall wende dich bitte an eine Hilfsorganisation, wie beispielsweise die Telefonseelsorge.

Hallo ihr Lieben,

willkommen zurück zu meinem neuen Beitrag. Ich möchte nun ein in unserer Gesellschaft noch oft als „Tabu“ abgestempeltes Thema ansprechen – die Fehlgeburt oder um es positiver zu nennen: das darauf folgende Regenbogenbaby. Vielleicht hast du es ja bereits mitbekommen aus meinen anderen Postings: auch ich erlitt eine Fehlgeburt in meiner ersten Schwangerschaft. Heute möchte ich dir ein wenig davon erzählen und wie ich die Schwangerschaft, die Geburt und die ersten Wochen nach dem Verlust empfand.

Kinderwunsch und Fehlgeburt

Die Kinderwunschphase ist eine intensive Zeit. Es ist nicht dieses typische „Huch, meine Regel ist zu spät. Schwanger wollte ich jetzt nicht unbedingt werden.“ Der Kinderwunsch ist voller Höhen und Tiefen. Man entscheidet sich bewusst für ein Baby und wartet sehnsüchtig darauf die Periode nicht zu bekommen.

Aller Anfang ist schwer

Mein Kinderwunsch begann, wenn ich ganz ehrlich bin, bereits als ich 20 Jahre alt war. Mein Verstand wusste nur, dass es einfach noch nicht passt. Auch mein Mann war noch überhaupt nicht bereit, weshalb ich zunächst einen unerfüllten Kinderwunsch hatte.

Ein paar Jahre später habe ich nochmal ein Gespräch mit meinem Mann gesucht und auch er war nun bereit. Der Beginn unserer gemeinsamen Reise zum Wunschbaby.

Ich bin Schwanger!

Sechs Monate vergingen – sie fühlten sich wie Jahre an – und ich hatte einen positiven Schwangerschaftstest. Nach dem ganzen Perioden tracken und etlichen Ovu’s; nach jedem hoffnungsvollen erwarten die Periode nicht zu bekommen und der Trauer, dass sie doch kam… da war er endlich.

Bei der ersten Ultraschalluntersuchung im Februar 2019 sah meine Frauenärztin sehr besorgt aus. „Es sieht nicht so aus, wie es sollte..“ Wir mussten mehrmals hin zu diversen US-Untersuchungen und um den HCG-Wert (Schwangerschaftshormon) zu messen. Nach zwei absolut schlimmer Wochen wurde bei mir eine verhaltene Fehlgeburt und eine Schilddrüsenunterfunktion mit Verdacht zum Hashimoto diagnostiziert.

Medikamentöse Abtreibung

Bei einer verhaltenen Fehlgeburt denkt der Körper er wäre noch schwanger, aber die Fruchthöhle reift nicht weiter heran. Es bleiben drei Optionen: (a) Warten, ob der Körper es selbst ausscheidet (b) Cytotec als Off-Label Medikament (c) Ausschabung.

Ich habe mich für (b) entschieden, war danach mit einem Tropfen im Krankenhaus und der Spuck hatte ein Ende. Physisch. Psychisch ging es gerade erst los.

Trauerbewältigung vor der erneuten Schwangerschaft

Ich muss ganz ehrlich für mich sagen, dass es keine Trauerbewältigung gab. Die gesamte Situation habe ich verdrängt und so getan als wäre nichts. Es war alles in Ordnung. Außer wenn ich meine neugeborene Nichte sah. Oder generell kleine Babys. Oder als mein Schwager bei einem Familienabend eine Sprachaufnahme vom CTG seiner Tochter abspielte und ich auf die Toilette ging um zu weinen.

Der erste Muttertag als Sternenmama. Ich glaube das war das erste Mal, dass mein Mann und ich endlich getrauert haben.

Zweite Schwangerschaft – Das Regenbogenbaby

Drei Monate nach der Fehlgeburt wurde ich (fast schon ungewollt) schwanger. Ungewollt heißt nicht ungeliebt um es mal klarzustellen. Wir hatten einfach keinen richtigen Kinderwunsch mehr, haben aber auch nicht aktiv verhütet. Wir erwarteten also unser Regenbogenbaby.

Was ist eigentlich ein Regenbogenbaby

Der Begriff meint ein Baby, das nach einer Tot- oder Fehlgeburt gezeugt wurde. Er beschreibt die Hoffnung die man fühlt, wenn man nach einem Sturm einen Regenbogen sieht.

Ängste im ersten Trimester und Blutungen

Die Anfangszeit war von sehr viel Angst geprägt. Ich hatte so Angst, dass mein Körper versagt. Natürlich weiß ich, dass ich nicht Schuld an der Fehlgeburt war. Es fühlte sich (und fühlt sich teilweise immer noch) so an, als wäre ich ein Loser und würde das Natürlichste auf der Welt nicht hinbekommen.

Als ich an einem Morgen plötzlich Blutungen hatte, dachte ich es geht von vorne los. Zu unserem Glück im Unglück war es nur ein Hämatom (davon habe ich hier berichtet) und dem Baby ging’s gut.

Trauerbewältigung in der zweiten Schwangerschaft

Die erneute Schwangerschaft hat mir enorm in der Trauerbewältigung geholfen. Ich weiß, dass es sehr subjektiv ist und manche Frauen in der erneuten Schwangerschaft nur trauern und sich überhaupt nicht freuen können. Bei mir war es anders. Elizabeth hat mir, obwohl sie noch nicht einmal geboren war, in einer der wohl schwersten Zeit meines Lebens geholfen. Ich weiß es nicht genau, aber ich denke sie hat auch meinem Mann geholfen.

Jede Freude, jeder Meilenstein hatte jedoch auch seine Schattenseite. Als ich Elizabeth’s Tritte gespürt habe war ich beispielsweise auch ein wenig traurig. Wie hätten sich die Tritte unseres ersten Babys angefühlt?

Wenn Elli mal Phasen hatte, in denen sie sich weniger bewegte, wurde ich panisch. Ist alles in Ordnung? Muss ich zum Arzt? Bis sie sich dann zwei Tage später munter wieder meldete.

Geburt unseres Regebogenbabys

Kurz vor der Geburt

Als die Schwangerschaft sich dem Ende zuneigte hatte ich große Angst vor der Geburt. Ich hatte Angst, dass sich die Wehen und die Geburt genauso anfühlen würden , wie die Fehlgeburt sich anfühlte. Dennoch war ich bis zum Blasensprung entspannt und hab alles auf mich zukommen lassen.

Während der Geburt

Da die Geburt sehr schnell verlief hatte ich kaum Zeit über irgendetwas nachzudenken. Dennoch hatte ich sehr große Angst, dass mein Regenbogenbaby nicht gesund zur Welt kommt. Ich kann es nur vermuten.. aber ich denke das lag daran, dass ich bereits davor ein Baby verloren hab.

Nach der Geburt

Ängstlich. Ich war ängstlich. Überrollt von den ganzen Hormonen und der Tatsache, dass ich dachte, meine Sorgen wären nun vorbei. Schließlich ist das Kind ja auf der Welt und gesund. Da kommt meine Mutter mir mit dem plötzlichen Kindstod, der im ersten Lebensjahr eintreten kann. #dankefürnichts

Das hat mich wiederum sehr aus der Bahn geworfen. Die ersten Wochen war ich nur in Panik. Ich habe ständig kontrolliert, ob die Kleine noch atmet. Sie schlief friedlich und ich konnte nicht mal in die Dusche gehen ohne Angst zu haben. Ich hatte kein Vertrauen zu niemandem und hab Elli ungern jemand anderem in den Arm gegeben außer meinem Mann. Wobei ungern garnicht richtig passt. Ich habe Elli gerne in die liebevollen Arme von Familienangehörigen und Freunden gegeben, aber ich hatte direkt so panische Angst.

Auch heute, acht Monate nach Elli’s Geburt und mehr als anderthalb Jahre nach der Fehlgeburt zucke ich zusammen, wenn ich nicht sehen kann ob Elizabeth im Schlaf atmet oder nicht. Wenn Elli in ihrem Bett schläft muss ich bevor ich schlafen gehe nachprüfen ob sie noch atmet. Ansonsten kann ich nicht einschlafen. Sehr oft habe ich schon probiert ohne dieser „Kontrolle“ einzuschlafen, doch das geht nicht.

Mittlerweile habe ich meine Trauer gut verarbeitet.

Dennoch frage ich mich heute manchmal: Wer war dieses Baby? Wäre es ein Junge oder ein Mädchen? Hätte er/ sie auch blaue Augen?

Mein Herz tut Ende September dennoch weh. Ende September 2019 wäre unser erstes Kind geboren worden.

Doch der Spruch stimmt: Die Zeit heilt alle Wunden.

Selbst wenn die Narben bleiben, sie sind wichtig. Denn was passiert ist, ist passiert. Es war notwendig. Das Universum, G#tt, oder an wen auch immer man glaubt, hat es so gewollt.

Mitten im Sturm sahen wir schon unseren Regenbogen kommen – Elizabeth. Sie ist das Licht am Ende des Tunnels. Der Fels in der Brandung. Die unbeschreiblich starke Liebe. 

– Alisa

***Die verlinkten Seiten habe ich lediglich als Quellen und zum nachlesen hier hinterlegt. Es handelt sich hierbei nicht um Werbung und auch um keine Kooperationen.***

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